Andie Butts hat es in ihrem Leben nicht leicht gehabt. Gesegnet mit einem Namen, der geradezu nach Verspottung schreit und mit Eltern, die sich nicht um sie kümmerten. Mit fünfzehn wurde sie schwanger, doch ihr Sohn kam tot zur Welt, wobei auch ein Stück von ihr selbst mit starb. Als erwachsene Frau ändert sie ihren Namen, nennt sich fortan Drea Rousseau und wird sie die Geliebte des Verbrechers Rafael Salinas, für den sie allerdings nicht mehr als ein hübsches Spielzeug ist. Diese Rolle spielt sie ihm auch sehr perfekt vor. Salinas und seine Männer halten sie für leicht beschränkt und somit für keine Gefahr. Denn Salinas bezieht Geld aus Drogengeschäften, allerdings konnte ihm bisher noch nie etwas nachgewiesen werden. Zwei Jahre lebt sie an seiner Seite, kümmert sich um ihre Schönheit oder geht shoppen. Dann verleiht Salinas sie an den Auftragskiller Simon. Zu ihrer eigenen Überraschung muss Drea sich eingestehen, den Sex mit ihm genossen zu haben. Nie zuvor hat ein Mann so auf ihre Bedürfnisse geachtet. Das ändert aber nichts daran, dass sie von Salinas nun endgültig genug hat. Aus Rache klaut sie ihm zwei Millionen Dollar. Das bleibt natürlich nicht lange unbemerkt und prompt schickt Salinas ihr Simon hinterher, der sie umbringen soll. Bevor es dazu kommt, verliert Drea aber die Kontrolle über ihren Wagen, stürzt einen Abhang hinunter und wird von einem Baum durchbohrt. Simon hält sie für tot, nimmt ihre Papiere an sich und verschwindet. Drea landet in einer Art Zwischenwelt und bekommt dort gesagt, dass man ihr eine zweite Chance gibt. Die inzwischen am Unfallort eingetroffnen Sanitäter bemerken, dass die Verletzte noch lebt und bringen sie ins Krankenhaus. Auf dem Weg der Genesung entdeckt Drea, die sich inzwischen wieder Andie nennt, dass sie die Fähigkeit hat, in die nahe Zukunft der Leute um sich herum zu sehen. Doch noch etwas anderes wird ihr bald klar; Simon, der Killer, hat sie aufgespürt ...
Mit Andie hat Linda Howard eine sehr ungewöhnliche Heldin geschaffen. Am Anfang kommt sie sehr oberflächlich rüber, doch schnell wird klar, dass das nur Fassade ist. Sie hat kaum Selbstachtung, lebt mit einem Gangsterboss zusammen und vertrödelt einen Tag nach dem anderen. Doch im Laufe der Geschichte gewinnt sie mehr und mehr an Format, entdeckt, welche Kräfte sie hat und wozu sie fähig ist. Der Held ist noch eine ganze Ecke ungewöhnlicher, denn Simon ist ein Auftragskiller, der mit siebzehn das erste Mal tötete. Zwar immer nur die Bösen, aber dennoch ein ziemlich ungewöhnlicher Beruf für einen Helden. Leider bekommt er recht wenig Raum, sein Charakter entfaltet sich erst zum Ende hin so richtig. Wie gewohnt ist Linda Howards Schreibstil wunderbar flüssig zu lesen. Mit Süße Rache legt sie einen sehr ungewöhnlichen Ladythriller vor, der neben seinen beeindruckenden Figuren auch eine Menge Spannung bietet. Ein bisschen zu kurz kommt allerdings die Erotik, es gibt lediglich eine einzige ausführliche Liebesszene. Ein wunderbar zu lesender Roman mit einer außergewöhnlichen Romanze.
"Süße Rache" hat mir auch gut gefallen. Andie ist eine sehr interessante Heldin, die während der Handlung eine riesige Entwicklung durchmacht. Simon ist ein totaler Antiheld, ich fand ihn absolut faszinierend. Deshalb ist es echt schade, daß der Fokus so auf Andie liegt, daß die Liebesgeschichte dadurch ein wenig ins Hintertreffen gerät
Mir hat Simon auch sehr gut gefallen, daher hätte ich liebend gerne mehr über ihn gelesen. An Liebesgeschichte war leider wirklich nicht viel drin, die hat sich ja richtig erst auf den letzten Seiten entwickelt. Aber trotzdem ein wirklich tolles Buch und auch eine wirklich außergewöhnliche Geschichte.
Ich war am Anfang des Buches etwas irritiert. Ich konnte mir so garnicht vorstellen wie die Beiden zueinander finden könnten. Aber ich muß sagen, manchmal ist ein etwas ungewohnter oder außergewöhnliche Plot mal eine tolle Abwechslung.